Wer war Anton Fugger?

Am 10. Juni 1493 wurde Anton Fugger als jüngster von drei Söhnen in die Familie der Fugger von der Lilie hineingeboren. Das langjährige Familienunternehmen war bereits zu diesem Zeitpunkt zu einem weit über Augsburg hinaus bekannten Handelshaus herangewachsen.

Nach dem Tod des Vaters Georg 1506 wurde der Onkel Jakob Fugger „der Reiche“ sein Vormund. Anton erhielt eine vielseitige und gleichzeitig anspruchsvolle Ausbildung zum Kaufmann in Niederlassungen (Faktoreien) in Venedig, Nürnberg, Breslau, Ofen (Budapest) und Rom. Dadurch lernte er auch verschiedene Fremdsprachen wie Latein oder Französisch. Die facettenreichen Erfahrungen, die er so in den verschiedenen europäischen Ländern machte, weckten in ihm neben Handelsgeist auch schon früh Kunstinteresse.

Jakob Fugger starb 1525 kinderlos und vermachte in seinem Testament neben Anton zwei weiteren Neffen, nämlich Hieronymus und Raymund, die Fuggerschen Geschäfte. Dabei sollte Anton als „fähigster“ Erbe das Handelsunternehmen leiten.

1527 heiratete er die Augsburger Patriziertochter Anna Rehlinger. Sie bekamen vier Söhne und sechs Töchter. Seine Ehefrau verstarb 1548 im Kindbett.

Anton Fugger war viel mehr den politischen Wechselspielen unterworfen als sein Onkel Jakob. Seine Lebensaufgabe sollte es werden, im Laufe der Zeit diese große, über Deutschland hinaus agierende Firma und die Familie durch eine krisenreiche Umbruchzeit zu steuern und für die Zukunft zu erhalten.

 

Der Fürst der Kaufleute 

Anton Fugger verstand es erfolgreich, die bereits unter Jakob begonnene Kooperation mit dem Hause Habsburg auf finanzieller Ebene zu vertiefen. Dies zeigte sich vor allem in Form der wiederholten Vergabe von Krediten an Kaiser Karl V. oder an dessen Nachfolger Kaiser Ferdinand I. Mit Hilfe dieser geschäftlichen Beziehungen zum Kaiserhaus wurde Anton Fugger zu einem der wichtigsten Geldgeber für die Politik und somit für viele Kriege dieser Zeit, wie die langjährigen Auseinandersetzungen mit Frankreich oder den Türken. Von Kaiser Karl V. wurde Anton bereits 1530 wegen seiner vielen Besitzungen in den erblichen Grafenstand erhoben. Durch die Verknüpfung von Finanz- und Montangeschäften war das Unternehmen sehr erfolgreich.

Außerdem schien es Anton Fugger möglich, seine geschäftlichen Aktivitäten ab 1531 global auszuweiten. Neben den Welsern erhielten die Fugger als einzige nichtspanische Handelsfamilie die Möglichkeit, Teile Südamerikas zur Kolonisierung zu nutzen, wobei besonders der absatzträchtige Warenhandel mit fremden Gütern aus der „neuen Welt“ wichtig war. Das Gebiet, das zur Kolonisierung versprochen wurde, reichte von Südperu bis Feuerland, was die Familie Fugger zu einer der größten Kolonialgesellschaften gemacht hätte. Aus unbekannten Gründen kam es jedoch nicht zum Vertragsabschluss. Im Gegensatz zu den Welsern, die sich damit übernommen hatten, konnten die Fugger in der Folgezeit ihr Vermögen weiter ausbauen. Über Vertretungen in Santo Domingo, vielleicht auch auf Yukatan, sollen die Fugger jedoch weiter Handelsbeziehungen mit Mittelamerika unterhalten haben.

Natürlich waren gleichzeitig inländische Konflikte aufgrund der Glaubensspaltung für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, aber auch für Anton Fugger persönlich belastend, da er bei der „alten“ katholischen Religion blieb, wie der Kaiser auch. Als ein bescheidener und geschäftstüchtiger Mann lautete das Lebensmotto Anton Fuggers

„Stillschweigen stehet wohl an!“

Vielleicht war es ihm dadurch bis zuletzt als maßgeblicher Lenker des Geschäftes möglich, ein Weltunternehmen jahrzehntelang erfolgreich zu führen. Anton Fugger mag möglicherweise vorausgesehen haben, dass dies nicht so erfolgreich wie bisher weiterzuführen war. Denn er veränderte die Grundlagen der Firma und investierte stärker in Grund- und Herrschaftsbesitz. Die Auflösung des Unternehmens unter seinen Söhnen ließ er testamentarisch festlegen, woran sich diese vorerst jedoch nicht hielten und weiterhin Gewinne erzielen konnten.

Dennoch ging Anton Fugger als „Fürst der Kaufleute“ in die europäische Geschichte ein, da er es geschafft hat, das Familienunternehmen lange an der europäischen Spitze zu halten, an die es sein Onkel Jakob Jahre zuvor gebracht hatte.

 

Schloss Babenhausen

Von den Rittern von Rechberg kaufte Anton Fugger 1538 die Herrschaft Babenhausen. Die Lehenschaft über Schloss und Markt kostete 36000 Gulden. Ab 1541 ließ er die große Schlossanlage und die Pfarrkirche errichten, in der er 1548 für seine verstorbene Frau eine Familiengruft erbauen ließ.

Auch in der Nachbarschaft erwarb Anton Fugger Herrschaften wie Waltenhausen (1541), Heimertingen und Pleß (1547), Boos (1551) und Kettershausen mit Bebenhausen (1557).

Auch wenn er nicht oft nach Babenhausen reiste, entwickelte sich dieser Ort doch zu seinem „Lieblingsbesitz“. Nachdem Anton Fugger im Alter von 67 Jahren am 14. September 1560 in Augsburg gestorben war, wurde zuerst ein prachtvoller und feierlicher Trauergottesdienst in der St.-Moritz-Kirche abgehalten. Danach wurde sein Leichnam von einem großen berittenen Geleitzug über Schloss Kirchheim nach Babenhausen überführt, um dort neben seiner Frau beerdigt zu werden. So hatte Anton Fugger es sich in seinem Testament gewünscht.

 

Förderung der Bildung und Künste

Mit der Errichtung einer Lateinschule für Knaben 1554 in Babenhausen versuchte Anton Fugger das ländliche Bildungsniveau anzuheben. Diese Stiftung diente dazu, fünf begabte Jungen auf ein mögliches Studium in Ingolstadt, Dillingen, Löwen in den Niederlanden oder in Italien vorzubereiten, für das auch Stipendien gezahlt wurden. Damit sollten junge Männer zu Geistlichen, Kaufleuten oder Juristen ausgebildet werden, die anschließend im Handel oder in der Verwaltung der Besitzungen eingesetzt werden konnten. Begabt sollten die Jungen vor allem im Chorgesang sein, denn dieser war neben Latein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts. Die Stiftsknaben mussten die für das Haus Fugger täglich gesungenen Messen mitgestalten.

Anton Fugger investierte nicht nur in Babenhausen gezielt in die Bildung seiner Untertanen. Durch seine weit reichende Ausbildung beeinflusst, die verschiedene Sprachen umfasste, war er ein begeisterter Humanist. Während seiner geschäftlichen Aufenthalte traf er viele führende Gelehrte dieser Zeit und trat oftmals als Mäzen in Erscheinung. So unterhielt er ab 1529 mit dem bedeutendsten Humanisten Erasmus von Rotterdam regen Kontakt. Bei der Ausbildung seiner eigenen Söhne orientierte er sich an adeligen Vorbildern, weshalb Anton sie von Gelehrten unterrichten ließ und zum Studium nach Italien schickte.

Ein wichtiger Bestandteil der Stiftung in Babenhausen war eine Heiratsstiftung. Sie sollte jungen Frauen, die von der Familie keine Aussteuer erhalten konnten, dennoch eine sehr gute Heirat ermöglichen. Daneben stiftete Anton Fugger im nahegelegenen Waltenhausen ein Spital, das für die Untertanen gedacht war. Als Versorgungsanstalt für Arme und insbesondere als Altenheim sollte es diesen ein gutes Leben ermöglichen. Auch hier war das tägliche Beten für die Familie Fugger Pflicht.

Bereits 1548 regelte Anton Fugger außerdem die gemeinschaftliche Stiftungsverwaltung neu, die bis heute unter anderem die von seinem Onkel und ihm gestiftete Fuggerei erhält.

Anton Fugger kann bis heute als einer der modernsten und vorausschauendsten Firmenlenker Europas angesehen werden und gleichzeitig jedem wirtschaftlichen Denken als Vorbild dienen. Zusammen mit Jakob „dem Reichen“ prägte er durch sein Wirken das „Zeitalter der Fugger“.

 

Literaturverzeichnis:

Vgl. dazu:

  • Franz Karg: Die zum Studiern taugenlich, gutter Ingenia seyn. Die Universität Dillingen und die Lateinschule Babenhausen, Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen, 1999.
  • Götz Freiherr von Pölnitz: Anton Fugger. 3. Band. 1548-1560 Teil I: 1548-1554, Tübingen 1971.
  • Hermann Kellenbenz: Anton Fugger 1493-1560. Sonderdruck aus: Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben. Band 11, Weißenhorn 1993.
  • Johannes Burkhardt (Hrsg.): Anton Fugger (1493-1560). Vorträge und Dokumentationen zum fünfhundertjährigen Jubiläum. Sonderdruck, Anton H. Konrad Verlag, 1994.
  • Mark Häberlein: Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367-1650), Stuttgart 2006.
  • Martin Kluger: Die Fugger in Augsburg. Kaufherrn, Stifter und Mäzene, Augsburg 2010.